Digitalisierung 4.0: Krise für die Maschinenbauer – und das ist zu tun

Digitalisierung 4.0: Insbesondere der Maschinenbau ist auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. Wir zeigen, was Betriebe jetzt tun sollten.

Der deutsche Mittelstand befindet sich während der fortschreitenden Digitalisierung 4.0 in einer Krise: Insbesondere der Maschinenbau ist auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. Für das Jahr 2020 ist auch keine Besserung in Sicht, wie der aktuelle Maschinenbau-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zeigt. Wir analysieren in diesem Artikel, was los ist und was Unternehmen jetzt tun sollten!

Die wichtigsten Erwartungen, die aus der Umfrage hervorgehen, im Überblick:

  • Digitalisierung 4.0: Umsatzrückgang innerhalb der Branche: 4,2 Prozent
  • Umsatzrückgang im eigenen Betrieb: 1,2 Prozent
  • Durchschnittliche Kapazitätsauslastung: 82,7 Prozent
  • Nur ein Drittel der Unternehmen ist voll ausgelastet
  • Weitere Kostensenkungsmaßnahmen werden in Betracht gezogen während der Digitalisierung 4.0

Der Status Quo: Die schlechteste Prognose aller Zeiten

Laut der Umfrage erwarten die Befragten einen Umsatzrückgang von 4,2 Prozent in der Branche des Maschinen- und Anlagenbaus. Das ist die schlechteste Prognose aller bisherigen Erhebungen. Erstmals liegen sogar die Erwartungen der Manager für die eigenen Betriebe im Minusbereich. Im Schnitt rechnen die Manager mit rund 1,2 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Neueste Erkenntnis ist auch die Veränderung der Einschätzungen von deutschen Managern: Sie blicken pessimistischer auf die deutsche Konjunkturentwicklung (38 Prozent) als auf die globale (34 Prozent).

„Die Sorgen der Branche sind groß“, beobachtet Dr. Klaus-Peter Gushurst, Leiter des Bereichs Industries & Innovation bei PwC. „Jeder dritte Entscheider geht von einer negativen Umsatzentwicklung des eigenen Unternehmens im kommenden Jahr aus. Die Talsohle der Entwicklung steht uns noch bevor.“

Digitalisierung 4.0: Globale Unsicherheit sorgt für ausbleibende Aufträge

Der Brexit, Handelskonflikte, Wirtschaftssanktionen und die Krise der deutschen Automobilindustrie beeinflussen die Branche während der Digitalisierung 4.0 zutiefst. Die ausbleibenden Aufträge wirken sich inzwischen sofort auf die Produktion aus. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der befragten Unternehmen bewegt sich inzwischen mit durchschnittlich 82,7 Prozent auf einem Rekordtiefstwert. Lediglich rund ein Drittel der Unternehmen arbeitet noch im Bereich der Vollauslastung.

„Die Auftragskrise ist auf dem Shop-Floor angekommen“, kommentiert Gushurst, „Unternehmen drosseln die Produktion und werden perspektivisch Kostensenkungsprogramme und Restrukturierungen implementieren. Allerdings warne ich davor, einen unüberlegten Investitionsstopp ins Auge zu fassen.“ Tatsächlich beabsichtigt ein nicht unerheblicher Anteil von einem Viertel der Befragten, ihre Investitionen im ersten Quartal 2020 zu senken – der höchste Wert aller bisherigen Erhebungswellen.

Kosten senken und Preise erhöhen

Immer mehr Entscheidungsträger ziehen weitere Einsparungen in Betracht. Im Großen und Ganzen sollen die Gesamtkosten stabil gehalten werden, allerdings gerät Bewegung im Personalkostenbereich. Mittlerweile gehen 38 Prozent davon aus, dass die Personalkosten im kommenden Jahr gesenkt werden. Ende des Vorjahres waren gerade mal 14 Prozent dieser Ansicht.

„Die Entscheidungsträger im Maschinenbau sind mit steigenden Energiekosten bei gleichzeitigem Auftragsschwund konfrontiert. Sie haben kein Interesse oder auch keine Möglichkeit den zusätzlichen Kostendruck von ihren Kunden an ihre Lieferanten weiterzugeben“, resümiert Klaus-Peter Gushurst, „Das Herunterfahren von Investitionen birgt jedoch Risiken, da dies die internationale Innovations- und Qualitätsführerschaft der Branche bedrohen könnte.“

Experte warnt: Der deutsche Mittelstand verliert den Anschluss während der Digitalisierung 4.0

Für uns schätzt Günter Piro die Risiken ein – und sagt auch, was zu tun ist.

Günter Piro, was sind hier die Gefahren für den deutschen Maschinenbau?

Ich sehe da in erster Linie die Gefahr einer verpassten Chance. Denn die Investitionen stagnieren und es wird sich überall zurückgehalten. Meine Bedenken sind: Der deutsche Mittelstand verliert den Anschluss. Insbesondere bei Innovationen und den damit verbundenen Investitionen wird nur das allernötigste gemacht.

Was sollte jetzt passieren?

Die Deutschen sind sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, sich voran zu wagen. Hier muss ein Umdenken stattfinden, mit dem Innovationen vorangetrieben werden sollten, ansonsten werden wir abgehängt. Genau das geht aus dem Maschinenbau-Barometer hervor. Für mich ist klar, dass auch demografische Entwicklungen und Probleme wie der Fachkräftemangel effizienter angegangen werden könnten. Allerdings wird genau das durch Zurückhaltung bei Investitionen vernachlässigt.

Digitalisierung 4.0: Wissensvermittlung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels

Was sollten Unternehmen jetzt tun?

Betriebe sollten sich auf die Darstellung von latenten Verlusten und sich aktiv mit den Problemen auseinandersetzen. Das sind wichtige Punkte, auf die sich Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung konzentrieren sollten. Der demografische Wandel spielt natürlich auch eine Rolle: Jeder beklagt sich über das Fehlen von Fachkräften. Dabei werden oftmals ältere Fachkräfte nicht dafür eingesetzt, ihr Wissen an Nachwuchskräfte weiterzugeben. Es gibt bereits Nachwuchskräfte, die leider nicht gelehrt werden. Das ist ein Widerspruch in sich: Einerseits gibt es den Fachkräftemangel und andererseits wird dagegen nicht genug in die Wissensvermittlung investiert. Es wird auch kein Wissen in Form von Lernmaterial konserviert, was so dann an einen Neuling weitergegeben werden könnte.

Lösung: Aktive Auseinandersetzung mit Problemen

Wo liegt der Anlaufpunkt für die Unternehmen?

Ich bin davon überzeugt, dass der Drang nach vorne, Probleme anzugehen, einer der wichtigsten Anläufe ist, um bestehende und kommende Probleme auch lösen zu können. Wir haben die Spitze des demografischen Wandels noch nicht erreicht, da kommt noch mehr auf uns zu. Die Wissensarchivierung ist hierbei ein Thema. Das andere ist der steigende Preis und Kostendruck. Hier werden nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft: Optimierungsmaßnahmen bleiben aus. Oft wird das Problem auch nicht direkt als solches erkannt, wie die latenten Kosten und Verluste, weil sie nicht vordergründig sind. Da kann noch einiges gemacht werden.

Welches Ziel sollten Unternehmen nun verfolgen?

Ziel sollte es sein, gebundene Mitarbeiter für zusätzliche Arbeiten freizustellen, anstatt Personal wegzurationalisieren. Als Beispiel: Es macht keinen Sinn, eine Person jeden Tag hundert oder gar tausende Male denselben Handgriff erledigen zu lassen. Es gibt nahezu für alle Situationen entsprechende automatisierte Systeme, die den Menschen für diese automatisierbare Tätigkeit ersetzen. Dafür kann der Mensch sich dann auf nicht automatisierbare Aufgaben konzentrieren und das Unternehmen so weiterbringen. Die Technik ist da, wird aber nicht eingesetzt.

Ein einfaches Beispiel für Digitalisierung 4.0

Von welcher Technik ist hier die Rede?

Retro-Fit von Anlagen ist ein schönes Beispiel. Ältere Produktionsanlagen mussten früher regelmäßig gewartet werden. Hierfür mussten die Maschinen dann zum Teil sogar gestoppt werden, damit die Technik auseinander gebaut und gewartet werden kann. Durch den Produktionsstopp gab es also einen Einnahmeausfall, ebenso lange, wie die Wartung- und Instandhaltung gedauert hat. Mit heutiger Technik von Sensoren können solche Ausfälle vermieden werden, weil sie einem punktgenau mitteilen, wann Verschleißteile ausgetauscht werden sollten. Das ist durch Retro-Fitting heutzutage kostengünstig umzusetzen.

Über den Experten

Günter Piro hat über 40 Jahre Berufserfahrung in der Industrie, genauer: In der Elektrotechnik und Instandhaltung. Mit sieben Jahren hat er sein erstes Transistor-Radio gebaut. Heute ist er freier Berater für mittelständische Unternehmen und hilft dort, die Digitalisierung der Produktion weiter voranzutreiben.

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